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Literatur: Mittelalter

Raitpfennig
Rauchnächte
Rauhes Haus
Rauhnächte

Realschule
Regalien/Regale
Reichsstände
Reisläufer
Rezeptur

Rindspech

Römermonate
Rosenmontag
Rotwelsch

Raitpfennig
auch: Raitgroschen / Rechenpfennig.
Der Raitpfennig (eine den üblichen Münzen ähnliche Prägung, aber kein Zahlungsmittel!) wurde als Rechenhilfe (Raiten) auf einem Liniensystem (ähnlich dem Abakus) benutzt.
Rauchnächte
Weiteres zum Thema Aberglauben:
Feuerbesprechen | Freitag der 13. | Glückshaube | Hämmerling | Holden | Hubertusschlüssel | Lostage | Pullomantie | Rauchnächte | Zwölfnächte
'Rauhes Haus'
Eine 1833 von J.H. Wichern in Hamburg-Horn gegründete Anstalt der Inneren Mission. Hier wurden gefährdete männl. Jugendliche betreut und ausgebildet.
Rau(h)nächte
Siehe: Zwölfnächte.
Realschule
auch: Mittelschule.
Der Begriff Realschule meint heute (seit 1964 (mit dem 'Hamburger Abkommen')) Sekundarschulen, die mit der 10. Klasse abschließen und über die Allgemeinbildung an Hauptschulen hinausgehen.

Real ist hier abgeleitet von dem pädagogischen Begriff: Realien. Dies sind die sogenannten Sachfächer, besonders die Naturwissenschaften als Bildungsgrundlage.


Siehe auch: Gymnasium.
Regalien/Regale
auch: lat.: 'iura regalia' = königliche Rechte
Regalien waren die Hoheitsrechte eines Landesherren.

So gab es: Jagd-, Münz-, Fischerei-, Mühlen-, Gerichts-, Steuer-, Zollregalien ... Die Bergregalien waren die Schürfrechte für die Bodenschätze.
Reichsstände
Die Reichsstände waren (noch bis 1806) diejenigen Reichsfürsten, Reichsgrafen, Angehörigen der Reichskirche (Reichsprälaten) und Reichsstädte, die *Reichsstandschaft (also Sitz und Stimme im Reichstag) besaßen und deshalb zusammen mit dem Kaiser das Reich repräsentieren durften.

Die Reichsstände mussten entweder persönlich oder durch einen Vertreter an den Reichstagen teilnehmen. Die Reichsstände mussten dann z. B. die beschlossenen Steuern aufbringen, Truppeneinheiten für das Reichsheer aufstellen und entsenden ...
Reisläufer
auch: Reisige / Söldner / Mietsoldaten / Fremdentruppen ...
Reisläufer waren insbesondere schweizerische Söldner (des 13. bis 18. Jh.), die sich (gegen Bezahlung - ähnlich wie die Landsknechte!) an fremde Kriegsherren verdingten.

Das 'Reislaufen' wurde in späterer Zeit mit sogenannten 'Kapitulationen' (Soldverträgen) geordnet und ab 1859 in der Schweiz, durch einen entsprechenden Bundesbeschluss ganz verboten.

Das mittelhochd. 'Reis' meint hierbei (den Aufbruch, das Fortbewegen, Reisen) insbesondere die Kriegs-'reise', den Kriegs-'zug'!

Bei Gottfried Keller:  'Züricher Novellen'  steht dazu:


»... Freilich traf er die Kriegsschar, die noch zu Zürich lagerte, in Widerspruch und Aufregung begriffen.

Durch das strenge Verbot aller weiteren fremden Kriegsdienste und der Pensionen fühlten sich die alten Reisläufer und ihre Rädelsführer hart betroffen und am neuen Auslaufen verhindert, und von den geheimen oder offenen Gegnern der Reformation aufgehetzt, ließen sie ihrem unwirschen Mute und der Zunge den Zügel schießen ...«

Die 'Schweizer Garde' des Vatikans ist aus den Reisläufern hervorgegangen.


Siehe auch: Fähnlein | Katzbalger | Reisläufer.
Rezeptur
1. Die Zubereitung von Arzneien nach einem Rezept.
2. Der Raum für diese Zubereitung in einer Apotheke.
3. Steuer- und Zolleinnahme.


Siehe auch: Apotheke und 'Lateinische Küche'.
Rindspech
auch: Mekonium.
Opium.
Römermonate
auch: .
Die 'Römermonate' waren eine Kriegssteuer der Reichsstände, die bis 1806 erhoben wurde.

Reichsstände: die reichsunmittelbaren Glieder mit Sitz und Stimme im Reichstag. Zu den geistlichen Reichsständen gehörten: geistl. Kurfürsten, Erzbischöfe, Bischöfe, Äbte und Äbtissinnen der Reichsabteien.

Bei dem dt. Romancier Jean Paul:
 'Blumen-, Frucht- und Dornenstücke oder Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvoka-ten F. St. Siebenkäs' 
(drittes Kapitel) steht auch zu 'Römermonate' satirisches:


»Eine Kirmes ist überhaupt die Messe, die Bettler jedes Standes jährlich beziehen; ...

Wen der Himmel mit dem Talente der Bettler, mit Krankheit, besonders mit den Bettler-*Vapeurs, mit Gicht, mäßig ausgesteuert hat, der nimmt sein Pfund und seinen zur Krankheit gehörigen Körper und erhebt damit seine Römermonate von Gesunden ...«

Rosenmontag
Der Begriff wird (außerhalb des Rheinlandes) oft mit der Blume: Rose in Verbindung gebracht.

Rosen meint aber (in diesem Zusammenhang) im Rheinland: 'rosen, rasen', also: toll sein, verrückt oder ausgelassen sein ... Gemeint ist deshalb der 'rasende', 'tolle' Montag.


Siehe auch: Herkunft: Karneval.
Rotwelsch
"Rot" bedeutet hier: falsch, im Sinne von untreu.
"Welsch" (eigentlich meinte es: französisch) bedeutet hier: fremdartig, unverständlich.
Rotwelsch ist also "eine unverständliche, fremde Sprache".
Der Begriff "welsch" findet sich heute auch noch in: "Kauderwelsch" (mit ähnlicher Bedeutung wie der Begriff: Rotwelsch).

Rotwelsch ist auch eine Geheimsprache (von Nichtsesshaften, auch von Gaunern ...), die aus einer Mischung von:
dt. Begriffen, Jiddisch, Jenisch, Zigeunersprache und weiteren entstanden ist.

Die wohl älteste Quelle: "Liber vagatorum" wurde um 1528 von Martin Luther erneut herausgegeben.


Siehe auch: Rotwelsch (Auswahl von Begriffen).
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(04.05.2003)
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