*RR: 28. Jan. 2008
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Einführung:
Phasen von gelegentlichen Hexenverfolgungen gab es in Europa immer wieder einmal.
So z. B. schon im Italien des späten 13. Jh. unter der Inquisition.
Die 'großen' Hexenverfolgungen begannen aber erst ab etwa 1450.
Das 'Heilige Römische Reich Deutscher Nation' war die Hochburg der Verfolgungen,
die erste Hinrichtung wegen "Hexerei" fand 1446 in Heidelberg statt.
Aber auch in: Spanien, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden und England wurden
zahlreiche 'Hexen' in dieser Zeit verbrannt (siehe Tabelle: letzte Hexenverbrennungen).
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[*Randbemerkung:]
Der 'Hexenhammer':
1487 erschien das Machwerk: 'Der Hexenhammer', das
über 150 Jahre lang 'den' Leitfaden für Aufspürung, "Befragung" und Verurteilung von
Hexen und Hexern darstellte.
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Ausgeprägter Zauber- und Aberglaube:
Besonders hartnäckig hielt sich (in allen Bevölkerungsschichten dieser Zeit!) die Vorstellung, dass
Epidemien: Pest, Pocken, Cholera ... und schlechtes Wetter, Missernten, Hungersnöte usw.,
das Werk böser Mächte (von: Hexen, Hexern, die mit Schadens- und Wetterzauber etc. operierten) waren.
Der Glaube an einen dämonischen Ursprung dieser und anderer Übel, hielt sich auch
deshalb, weil das 'Europa' dieser Zeit fast ausschließlich aus Agrargesellschaften mit entsprechend
'rückständiger' Bevölkerung (Analphabetismus ...) bestand.
Nach damaligem Verständnis mussten diese 'Übeltäter': Hexen und Hexer
(die immer in der näheren Umgebung der auftretenden Übel vermutet wurden, also vielfach aus dem eigenen
Dorf oder der eigenen Stadt kommen mussten!) nur ausfindig gemacht und ausgemerzt werden,
um der Läuterung, Reinigung mit Feuer und Schwert zu ihrem Recht zu verhelfen ...
Aufgrund dieses ausgeprägten Zauber- und Aberglaubens kamen die Anzeigen gegen 'Hexen' und 'Hexer'
in aller Regel aus der Bevölkerung, mit der Aufforderung an die kirchliche und weltliche Obrigkeit,
energisch einzuschreiten!!!
Es kann recht deutlich das starke Ansteigen von Hexenverfolgungen zu Zeiten
extremer Schlechtwetterperioden, Hungersnöten etc. festgemacht werden.
So sprechen Klimaforscher für die Zeit um 1600 sogar von dem Höhepunkt einer
'kleinen Eiszeit' für Mitteleuropa (die etwa Mitte des 16. Jh. einsetzte und
bis ca. 1660 andauerte).
So war auch die Zeit zwischen 1560 - 1640 eine Hochzeit der Hexenverfolgungen.
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[*Randbemerkung:]
Einsatz von Zaubermitteln:
[In dieser Zeit war es weit verbreitet 'Zaubermittel' (Kräuter, Talismane etc.),
etwa als Liebeszauber, zur Abwehr von Schaden, für gute Ernten etc., etc. anzuwenden.
So wurden z. B. Hirten dafür bezahlt, dass sie das Vieh mit einem Schutzzauber vor Wölfen, Bären usw. und
gegen Krankheiten belegten. Wurde dann das Vieh trotzdem von wilden Tieren gerissen oder
wurde es krank, konnte es dem Hirten passieren, dass er als Hexer angezeigt wurde.
Das Gleiche galt natürlich etwa für Kräuterkundige, wenn ihre Arznei oder der Zauber nicht wie gewünscht wirkte.]
[*Randbemerkung:]
Zauberglaube auch unter Gelehrten:
Selbst Johannes Calvin
und Martin Luther glaubten noch an Hexen.
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Weitere Gründe für die 'Hexenverfolgungen':
Hinter den offiziellen Anklagen: (Ausübung von Schadenszauber und Wettermacherei, Verwandlung
in Tiere [Werwölfe ...], Satansanbetung, geschlechtliche Vermischung mit Dämonen und dem Satan selbst ...)
gab es aber noch eine ganze Reihe von weiteren Gründen, die die "Hexenverfolgungen"
vorangetrieben haben.
So z. B.:
Glaubensspaltung (Reformation/Gegenreformation):
In der Zeit der Glaubensspaltung (Reformation: 31.10.1517 [Luther-Thesen] - 25.09.1555 [Augsburger Religionsfrieden])
und der (Gegenreformation: 1555 - 1648 [Ende des 30-jährigen Krieges]) verstärkten auch gerade die kirchlichen
Vertreter beider Glaubensrichtungen die Verfolgung von 'Hexen' und 'Hexern'.
Wohl auch deshalb, um den eigenen Glauben, als den einzig wahren herauszustellen, der den Gläubigen Schutz gegen alle
Widersacher bieten konnte.
Geldgier:
Das Vermögen der verurteilten Hexer/Hexen wurde oftmals konfisziert,
und unter Richter, Ankläger, Henker, Landesfürst (der vielfach gleichzeitig auch noch
geistlicher Herr [Bischof etc.] war), aufgeteilt.
* Dies führte zeitweise dazu, dass Besitzende bevorzugte Opfer der Verfolgung wurden.
** Wenn dies aber geschah, kamen die Verfolgungen in dieser Region (in aller Regel) sehr
schnell wieder zum Erliegen!
Denunziations-Prinzip, Folter & Verfolgungseigendynamik:
Eine ganz besondere Rasanz erhielt die Hexenverfolgung auch noch durch die
Tatsache, dass oftmals das Denunziations-Prinzip und 'Befragungsmethoden' (sprich:
schwere Folter) angewandt wurden, die auf die Nennung von weiteren
Hexen und Hexern (auch: Hexenmeistern, Zauberern) durch die Angeklagten ausgelegt waren.
D. h., dass auf eine Anzeige (auch von anonymen 'Zeugen': etwa missgünstigen Nachbarn ...) eine
Verfolgung beginnen konnte, die dann sehr schnell eine entsprechende Eigendynamik
entwickelte.
Ähnlich wie unter der Inquisition älterer Prägung hatte
der so denunzierte Angeklagte in aller Regel kaum Verteidigungsmöglichkeiten. Außerdem waren:
Ankläger, Untersuchende und Urteilsverkünder meist identisch.
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Weitere, weniger wichtige Gründe:
Diffamierung der Hebammen:
Nach dem "Hexenhammer" sind die Hebammen
(aus ihrer "boshaften Natur" heraus) geradezu
prädestiniert dazu, dem Teufel anheimzufallen und Hexenkünste einzusetzen.
Dies heißt aber nicht, dass es besonders Hebammen waren, die verfolgt wurden.
Die Frauen, die als Hexen angezeigt wurden, kamen eher aus der Mitte der Gesellschaft.
So z. B. Witwen, alte Frauen.
Ihnen fehlte sicherlich der Schutz der Familieneinbindung, was
sie dann sehr viel angreifbarer machte, als andere Gruppen.
Der Hexenhammer (I., ab S. 92)
»... es wird die erste allgemeine Frage sein über die
Haupteigenschaften der Weiber; ...
die dritte besondere, handelt von den Hebammen selbst, welche alle
anderen an Bosheit übertreffen.«
[*Randbemerkung:]
Aufkommen der Buchmedizin:
Den männlichen Ärzten, die sich der Buchmedizin (die im Hochmittelalter aufkam)
- einer Medizin (eben vor allem) aus Büchern, aber zu einem großen Teil ohne richtige
praktische Erfahrung - verschrieben hatten, waren die kräuter- und heilkundigen Frauen
(auch Hebammen) - wie der Kirche auch - als Konkurrentinnen ein Dorn im Auge.
Als die Buchmediziner den 'Weiberkram' (Gynäkologie, Geburtshilfe ...) auch noch
mitübernahmen, d. h. die heilkundigen Frauen (und auch ihr Wissen!) vollends verdrängten,
stieg z. B. die Rate der Frauen, die an Infektionen (Kindbettfieber ...) starben, ganz
enorm an.
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Gutenberg und der Buchdruck:
Der Buchdruck mit beweglichen Lettern - was Bücher ganz außerordentlich preiswerter machte! -
wurde um 1450 (wahrscheinlich) von Gutenberg erfunden. Nun erst wurde es langsam möglich
(durch die weite Verbreitung 'preiswerterer' Lektüre), dass größere Teile der Bevölkerung lesen
lernen konnten.
So kostete eine der ersten gutenbergschen Luther-Bibeln (nur: N. T.) um 1522 "nur" noch ca.
einen 1/2 Gulden (was in etwa dem Wochenlohn eines Handwerksgesellen entsprach).
Leider wurden nicht nur Bücher wie die Lutherbibel mit dem preiswerteren Verfahren
Gutenbergs gedruckt, sondern auch so unselige Machwerke wie der
Hexenhammer (ab 1487). Der 'Malleus maleficarum' diente dabei ca. 150 Jahre lang
zu Aufspürung, 'Befragung' und Verurteilung von Hexen und Zauberern.
Übergang von den Ketzer- zu den Hexenprozessen:
Man geht für die Zeit um 1450 vom Übergang der Ketzer- zu den Hexenprozessen aus.
Das "finstere Mittelalter":
Eine irrige Annahme ist, dass die großen Hexenverfolgungen zeitlich dem 'finsteren Mittelalter'
(also weit vor 1500) zuzuordnen ist. Die eigentliche Hexenverfolgung (der Hexenwahn)
begann aber erst mit der großen Verbreitung von Schriften gegen Hexen und Hexer
(Gutenberg, ab etwa 1450).
Damit wird klar, dass die eigentliche Hexenverfolgung in der 'Frühen Neuzeit'
bis zur 'Neuzeit' anzusiedeln ist.
Hexen wurden übrigens in Europa noch (offiziell!) bis zum Ende des 18. Jh. verbrannt.
Siehe Tabelle: letzte Hexenverbrennungen.
Auch Männer und Kinder waren Opfer der Verfolgung:
Es wird (auch heute noch) oft vorausgesetzt, dass diesen Prozessen ausschließlich
Frauen ('Hexen') zum Opfer fielen.
Ein Teil der Verurteilten und Hingerichteten waren aber Männer ('Hexer', 'Hexenmeister' oder 'Zauberer').
Ebenso wurden mitunter Kinder angeklagt, verurteilt und hingerichtet. Selbst Tiere wurden der Zauberei verdächtigt
und zum Tod auf dem Scheiterhaufen etc. verurteilt.
Betrieb eine der Glaubensrichtungen mehr Verfolgungen?
Höchstens regional kann der Eindruck schon einmal entstehen.
Ansonsten 'wetteiferten' die beiden Glaubensrichtungen (zumindest zeitweise und regional begrenzt) geradezu um den Eindruck,
sie wären jeweils - durch zahlreiche und besonders strenge Verfolgungen - die 'einzig richtige' Glaubensrichtung ...
[*Auswertung folgt!]
Opferzahlen:
Nach Schätzungen einzelner Forscher sollen bis zu 9 Mio. Menschen bei den
Hexenprozessen von etwa 1500 bis zum Ende des 18. Jh. ihr Leben gelassen haben. Dies erscheint aber
vielen Historikern als erheblich zu hoch.
Seriöse Schätzungen sprechen meist von: 50 000 - 60 000 (in Europa),
was (wenn man die damalige Bevölkerungsgröße als Maßstab nimmt) für diese Zeit schon eine sehr große Zahl ist.
Gab es namhafte Gegner der Hexenverfolgungen?
Ja, aber nur wenige! So z. B.:
Agrippa von Nettesheim (bürgerlich: Heinrich Cornelius) lebte von 1486 bis
1535.
Er war Philosoph, Theologe und Arzt. Auf seinen zahlreichen Wanderungen lernte er Deutschland, Frankreich und England
ausgiebig kennen.
Agrippa war zwar Kritiker der Kirche und bekämpfte die Praktik der Hexenprozesse seiner
Zeit, schloss sich aber der Reformationsbewegung nie an.
- - -
Johann Weyer (*1515 †1588), ab 1550 Leibarzt Wilhelm IV. (Herzog von Jülich, Kleve und Berg), sprach sich
sehr mutig mit seinem Buch "De praestigiis daemonum et incantationibus ac veneficiis" (dt.:
'Von den Blendwerken der Dämonen und Zaubersprüchen und Giftmischereien') gegen Hexenwahn und -verfolgung aus.
Längere Zeit wurden deshalb keine 'Hexen' im Herzogtum verfolgt.
Als aber der Herzog und sein Sohn erkrankten, wurde dies als Zeichen für das Wirken von Hexen
angesehen. Die Verfolgungen setzten daher dort um so intensiver ein und Johann Weyer musste eilig das Herzogtum verlassen.
- - -
Johannes Ewich (*1525 †1588), studierte Medizin in Venedig und Padua. Danach war er Arzt in Duisburg und später
in Bremen (wo er auch während der Pest 1564-66 tätig war).
Ab etwa 1582 hielt er Lehrvorträge, in denen er die Hexenprozesse anprangerte.
In seinem Werk "De Sagarum ..." erklärt Ewich (der ein Anhänger von Johann Weyer war),
dass der Teufel zwar Menschen beeinflussen kann, aber dass es nie zu einem persönlichen Kontakt
(also auch nicht zu Teufelsbuhlschaften [geschlechtlichem Verkehr] etc.) kommt.
Weiter erklärt Ewich, dass die angeblichen magischen Fähigkeiten Hirngespinste oder Sinnestäuschungen sind.
- - -
Der Jesuit und Theologieprofessor Friedrich Graf Spee von Langenfeld (*1591 †1635) ging mit seinem Werk:
"Cautio Criminalis seu de Processibus contra sagas" (dt. etwa:
'Rechtliche Bedenken wegen der Hexenprozesse')
von 1631 gegen die gängige Praxis der Hexenprozesse an.
- - -
Der niederländische Theologe Balthasar Becker (* †) war ein entschiedener Gegner des Hexenglaubens.
In seinem Buch "De betooverde Wereld" (dt.: 'Die bezauberte Welt')
von 1691-93 beschreibt er ausführlich und detailliert die Unsinnigkeit und Dummheit
des Teufels- und Hexenglaubens.
- - -
Christian Thomasius studierte in Leipzig Philologie und Philosophie, dann in Frankfurt an der Oder auch Jura.
Später war er Rektor der Universität in Halle.
Er war übrigens der erste dt. Professor, der seine Vorlesungen in deutscher Sprache hielt!
Mit seiner Dissertation von 1701 "De Crimine Magiae"
(dt.: 'Vom Laster der Zauberei') forderte er dazu auf,
die Hexenverfolgungen einzustellen, da er u. a. die 'Laster der Zauberei für eine Fabel halte'.
- - -
Andreas Alciatus (*1492 †1550), Johannes G. Gödelmann (* †),
Augustinus Lercheimer von Steinfelden (= Professor Hermann Witekind) (* †), Petrus von Ravenna (* †),
Johannes Fr. de Ponzinibus (* †), Reginald Scot(us) (* †),
Johannes Scultetus (* †), Juan Luis Vives (*1492 †1540)
sind weitere zum Teil nicht so bekannte Gegner des Hexenglaubens.
Sie alle aber konnten sich mit ihren Vernunftgründen zu ihrer Zeit nicht gegen den Massenwahn des Hexenglaubens durchsetzen.
Erst etwa ab Friedrich Graf Spee von Langenfeld und seinem Werk 'Rechtliche Bedenken wegen der Hexenprozesse' von 1631
und dem Ende des 30-jährigen Krieges [1648], begannen sich die Dinge sehr langsam gegen die Praxis der Hexenverfolgung zu
entwickeln. So gab es die letzten Hexenverbrennungen in England 1684, in Italien 1716
(weitere siehe Tabelle! [rechte Seite]).
[*Weitere Auswertung folgt!]
Waren 'Prominente' oder deren Verwandte Opfer?:
Die Mutter von Johannes Kepler (die 'Leonberger Hexe' Katharina Kepler) geriet 1615
über mehrere Denunziationen in die Fänge der Hexenverfolgungshysterie.
Wohl auch deshalb, weil sie äußerlich dem damaligen Klischee einer 'Hexe' entsprach:
Sie war triefäugig, zänkisch und im Alter zahnlos und lebte allein (ihr Mann hatte sie nach zwanzigjähriger
Ehe und 7 ihm geborenen Kindern verlassen) und sie hatte zuletzt ihren Lebensunterhalt durch das Besprechen
(sprich: 'Zauberei') von kranken Tieren und Krankenpflege verdient.
Nur dem großen Einfluss ihres Sohnes (Johannnes), dem Hof-Astronom und -Mathematiker des Kaisers Rudolph II. in Linz,
verdankte sie, dass sie nicht gefoltert und verurteilt, sondern 1622 endgültig aus der Haft wieder entlassen wurde.
[*Weitere Auswertung folgt!]
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'Länderübersichten':
'Heiliges Römisches Reich Dt. Nation':
Die 'Hexenverfolgungen' - vor allem im 'Heiligen Römischen Reich Dt. Nation'
(einer der Hochburgen der Hexenverfolgungen) - waren fast ausschließlich Aufgabe der
weltlichen Kräfte.
Ein wichtiger Grund dafür, dass gerade diese Region so lange Zeit sehr viele Hexenverfolgungen erlebte,
war sicherlich auch die 'Zerrupftheit' des Landes in sehr viele kleine Fürstentümer,
autarke Städte und die Abschottungsbemühungen jedes dieser 'Ministaaten' gegen alle äußeren
Einflüsse.
So konnten sich Aberglaube und auch Hexenwahn extrem lange hier behaupten.
Die verheerenden Einflüsse und Traumatisierungen gerade des 30-jährigen Krieges (1618-1648) haben
sicherlich auch noch einmal für Verstärkung und verlängertes Weiterleben dieser Vorstellungen gesorgt.
[*Randbemerkung zur Abschottung:]
Fast jedes Fürstentum, fast jede Stadt hatte z. B. eigene Maße, Gewichte, Währung.
Man musste also für den Waren- und Handelsverkehr ständig umrechnen und die Währung tauschen.
Siehe dazu auch:
Reclam (TB) Nr. 8737:
Trapp: 'Kleines Handbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland'.
Italien:
Besonders interessant erscheint, dass es (gerade) in Italien nur sehr wenige
Hexenverfolgungen gab (eine Zeit der intensiven Verfolgung war dort allerdings um 1520).
Italien war auch eines der ersten europäischen Länder, das die Hexenverfolgungen beendete
(1716 fand dort die letzte offizielle Hexenverbrennung statt).
Irland:
In Irland gab es kaum Hexenverfolgungen.
Skandinavien:
In den skandinavischen Ländern gab es ebenfalls kaum Hexenverfolgungen.
Eine Ausnahme bildet hier: Schweden (Höhepunkte der Verfolgung dort:
ab der Mitte des 17. Jh. und im 18. Jh.).
Russland:
In Russland (zu dieser Zeit ebenfalls ein Agrarstaat) gab es kaum Hexenverfolgungen.
Die Gründe hierfür sind sicherlich auch in einer anderen Religionsauffassung
(dem orthodoxen Christentum!?) zu suchen.
Letzte (offiz.) Hexenverbrennungen in Europa:
| Land |
Jahr |
| Polen |
1792? |
| Schweiz |
1782 |
| 'Deutschland' |
1775 |
| Frankreich |
1745 |
| Schottland |
1722 |
| Italien |
1716 |
| England |
1684 |
| Holland |
1610 |
|
|
|
Zeitrahmen |
Ereignisse/Namen/Regionen |
| 12xx |
Der ital. Theologe und Philosoph Thomas von Aquin (*um 1225 †07.Mär.1274) glaubte,
wie viele seiner Zeitgenossen, an Hexerei. So führte er z. B. die Idee von der
"Teufelsbuhlschaft" als sexuelles Motiv in den Hexenglauben ein.
|
| 1409 |
Papst ??? erwähnt in seinem Dekret das Aufkommen von: "novas sectas" ('neuen Sekten'). |
| 1419 |
Der Begriff der Hexerey taucht erstmals? in einem Prozess in der Schweiz auf. |
| 1431 |
Der Luzerner Chronist Johann Fründ (*1400 †1469) berichtet
von der 'neuen Sekte' der 'Hexssen'. |
| |
| 1450 |
Um 1450 fand der Übergang von den Ketzer- zu den Hexenprozessen statt. |
| 1450 |
Um 1450 erfand (wahrscheinlich) Johannes Gutenberg
den Buchdruck mit beweglichen Lettern. |
etwa: 1480-1520 |
Hochzeit von Hexenverfolgungen in Westeuropa. |
| 1452 |
1. Hebammenordnung (Regensburg). |
| 1484 |
Papst Innozenz VIII. förderte die Hexenverfolgung erheblich!
So gab er 1484 die Bulle 'Summis desiderantes affectibus' (etwa: 'In unserem sehnlichsten Wunsche ...') -
die sog. 'Hexenbulle' heraus.
Darin wird päpstlich-offiziell 'die Existenz der Hexerei' bestätigt!
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| um 1487 |
Heinrich Kramer (Institoris) gibt den 'Malleus Maleficarum' ('Hexenhammer') heraus. |
31.10.1517 - 25.09.1555 |
Glaubensspaltung
Reformation:
31. Okt. 1517 (Luther-Thesen) - 25. Sep. 1555 (Augsburger Religionsfrieden).
In der Zeit von Reformation (Luther) und Gegenreformation verstärkten
auch gerade die kirchlichen Vertreter beider Glaubensrichtungen die Verfolgung von 'Hexen' und 'Hexern'. |
| 1520-60 |
1520-1560 gingen die Hexenverfolgungen in Westeuropa deutlich zurück. |
| 1524-25 Bauernkrieg |
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| 1546-47 Schmalkaldischer Krieg:
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Schmalkaldischer Krieg:
Der katholische Kaiser Karl V. führte 1546/47 den 'Schmalkaldischen Krieg' gegen den 'Schmalkaldischen Bund'.
Der Bund wurde nach der Vereinigung protestantischer Landesfürsten (der sich auf dem 'Augsburger Reichstag'
von 1530 gegründet hatte) nach der Stadt Schmalkalden so genannt.
Die 'Wittenberger Kapitulation' beendete am 19. Mai 1547 den 'Schmalkaldischen Krieg'.
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| 1555-1648 Gegenreformation |
Gegenreformation:
25.09.1555 (Augsburger Religionsfrieden) - 1648 (Ende des 30-jährigen Krieges). |
| ab etwa 1560 |
Mitte des 16. Jh. begann eine starke Kälteperiode, die heute meteorologisch als
'Kleine Eiszeit' bezeichnet wird. Sie dauerte ca. 100 Jahre an. |
| etwas nach 1560 |
Genau zu der Zeit der 'Kleinen Eiszeit' begannen auch wieder verstärkt
Hexenverfolgungen in Westeuropa einzusetzen.
Siehe oben: ('Zauberglaube'). |
Literatur zum Thema:
"Der Hexenhammer",
(*Der "Hexenhammer" [in's heutige Deutsch übersetzt] als TB):
(Sprenger+Institoris),
(TB) dtv: Nr. 2162, 1993, ISBN: 3-423-02162-4
Hervorragende, weiterführende Bücher zum Thema sind:
"Hexen",
(Professor Wolfgang Behringer),
(TB) Verlag: C.H. Beck, Jahr: 2005, 115 Seiten,
ISBN: 3-406-41882-1
"Hexen und Hexenprozesse in Deutschland",
(Hrsg.: Professor Wolfgang Behringer),
(TB) dtv: Nr. 30781, Jahr: 2000, ISBN: 3-423-30781-1
"Aus der Zeit der Verzweiflung /
Zur Genese und Aktualität des Hexenbildes",
(Becker, Bovenschen, Brackert u. a.),
(TB) edition suhrkamp SV: Nr. 840, Jahr: 1977,
ISBN: 3-518-10840-4
Weitere gute Medien zum Thema:
Auf CD:
"Hexen: (Werk- und Quellensammlung)"
(Diverse Autoren), Directmedia Publishing GmbH
(Digibib-Nr.: 093), ISBN 3-89853-493-6 // 30,00 € [D]
Inhalt der Werk-Sammlung zum Thema Hexen auf CD:
E-Books:
Kramer: 'Malleus Maleficarum' (1487?)
Friedrich von Spee: 'Cautio criminalis' (1632)
Christian Thomasius: 'Vom Laster der Zauberei' (1701)
Soldan/Heppe: 'Geschichte der Hexenprozesse' (1911)
Behringer: 'Hexen und Hexenprozesse' (2000)
Tuczay: 'Magie und Magier im Mittelalter' (2003)
Aufsätze: 'Hexenjagden' (2002)
Sammlung: 400 Hexensagen und -bräuche ...
ca. 120 Bilder (Gemälde, Holzschnitte ...) zum Thema
Weitere gute Bücher zum Thema:
"Teufelsglaube und Hexenprozesse",
(Hrsg.: Professor Georg Schwaiger),
Nikol Verlag, 4. Aufl., Jahr: 2007, ISBN: 3-937872-68-X
"Randgruppen der spätmittelalterlichen Gesellschaft",
(Hrsg.: Professor Bernd-Ulrich Hergemöller),
Fahlbusch Verlag Warendorf, Jahr: 2001, ISBN: 3-925522-20-4
"Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa",
(Professor Brian P. Levack),
(TB) Becksche Reihe, Jahr: 1995, ISBN: 3 406 421326
"Hexenwahn / Hexen in Geschichte und Gegenwart",
(Hans-Jürgen Wolf),
Pawlak Verlag, Jahr: 1990, ISBN: 3-88199-735-0
"Hexenwahn und Hexenprozesse",
(Manfred Hammes),
(TB) Fischer: Nr. 1818, Jahr: 1981, ISBN: 3-596-21818-7
"Geschichte der Hexenprozesse",
(Soldan-Heppe),
Müller+Kiepenheuer, Jahr: 1911, ISBN: xxx
Weitere Literatur zu verwandten Themen:
(*Viel zum Thema dt. Städte im Mittelalter findet sich in dem sehr guten,
einführenden Buch der Stadthistorikerin Evamaria Engel,
das umfassend die mittelalterliche dt. Stadtgeschichte vom 10. bis zum
15. Jh. beschreibt):
"Die deutsche Stadt im Mittelalter",
(Evamaria Engel),
Patmos-Verlag, Jahr: 200?,
ISBN: 3-491-96135-1
'Kleines Handbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland'
(Wolfgang Trapp)
(TB) Reclam Nr. 8737, Jahr: 1996, 320 Seiten
ISBN: 3-15-0180026-0
'Sterben und Tod im Mittelalter'
(Norbert Ohler)
(TB) Patmos, Jahr: 2003, 320 Seiten
ISBN: 3-491-6970-6
'Hölle - Kleine Kulturgeschichte der Unterwelt'
(Prof. Georges Minois)
(TB) Herder, Jahr: 2000, 144 Seiten
ISBN: 3-451-04778-0
'Geschichte des Teufels' (1869)
(Gustav Roskoff)
Parkland, Jahr: 2003, 572 Seiten
ISBN: 3-89340-051-6
'Die Hexe' (1862)
(*Eine in Romanform gefasste Untersuchung zur Hexenforschung)
(Jules Michelet)
area, Jahr: 2005, 399 Seiten
ISBN: 3-89996-323-7
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© Texte, Datenbanken, Auflistungssysteme, Fotos & Layout (wispor.de) - lexikalischer Auskunftsdienst / Münster (Westfalen)
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